Blisse-Müller-News

Kirsten und Detlef unterwegs

Radreise Kanada 2015 Nachbetrachtung – oder Rückblick

Aug. 072015

Nun sind wir schon wieder einige Tage zu Hause. Zeit für ein Fazit.
Inzwischen habe ich die einzelnen Beiträge um je eine Karte (bzw. Satellitenbild), in die die mit dem Rad gefahrene Strecke, eingetragen ist, ergänzt. Dazu findet ihr einen Link immer am Ende der Artikel. Die Karte (Google Maps) – öffnet sich in einem separaten Browser-Fenster.
Dann bitte ich, die schlechte Qualität der Fotos zu entschuldigen. Wir hatten keine Möglichkeit, Fotos vom richtigen Fotoapparat ins Web zu bringen. Blieben nur die Handy-Fotos. Und meinem Telefon geht’s wie mir. Mit zunehmenden Alter lässt auch bei ihm die Seh-Schärfe merklich nach.
Es wird aber wieder ein Foto-Buch über diese Reise entstehen. Mit ordentlichen Fotos. Bei Interesse gibt es das dann als PDF-Datei.

Gelernt haben wir auch etwas:
In Kanada ist vieles größer als bei uns – die Berge, die Täler, die Seen, die Wohnwagen, die Autos, die Sanitärarmaturen und Küchenherde, und offensichtlich auch die Kilometer und die Minuten. Die Uhren gehen dort etwas langsamer.
Die meisten Kanadier machen einen ziemlich entspannten Eindruck (insbesondere außerhalb der großen Städte) und sind recht freundlich. Die Autofahrer sind gegenüber Radfahrern und Fußgängern sehr rücksichtsvoll.
In den Gaststätten – speziell in Vancouver – geht es sehr laut zu, weil jeder beim Erzählen die anderen Gäste und die Hintergrundmusik übertönen will.
Und – ich habe kaum eine Frau gesehen, die nicht (an sichtbaren Stellen) tätowiert war, egal ob jung oder alt, ob dick oder dünn, ob hübsch oder weniger…
Mit Umweltschutz haben es die Kanadier nicht so sehr. In den Hotels – wenn es denn mal Frühstück gab – Pappgeschirr und Plastikbesteck. Auch in einigen Gaststätten. Alte Autos, Traktoren und ähnliche technischen Gerätschaften, werden einfach irgendwo stehen gelassen und verrotten langsam vor sich hin. Wenn nicht einer – wie in Chute Lake – die Teile in eine alte Scheune stellt und “Museum” über das Tor schreibt.

Die Reise war an manchen Stelle etwas anders, als ich erwartet hatte. Aber es hat Spaß gemacht. Wilde Landschaften, unheimlich viel Natur – nur die Wege hätten etwas besser sein können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Deutschland jemand freiwillig längere Strecken auf solch einem Schotter mit dem Fahrrad fahren würde.
Und wir fliegen 8000 km weit, fast ans andere Ende der Welt, um das zu tun. Insgesamt sind wir ca. 660 km kreuz und quer durch den Süden von British Columbia Rad gefahren – etwas weniger als ursprünglich geplant.
Manches Organisatorische hatte nicht so ganz geklappt, aber wir waren gut im Improvisieren. Und die Truppe – recht unterschiedliche Charaktere – hat sich schnell “zusammengerauft”.
Unser kanadischer Guide – Vitiya – hat uns gut versorgt und gefahren – obwohl der Bus in Deutschland wohl keine TÜV-Plakette mehr bekommen hätte. Das Essen in der ersten Woche war für mich zwar etwas Fleischarm, aber es hat geschmeckt und ich bin satt geworden.

So, Nordamerika haben wir jetzt abgearbeitet. Das nächste, weiter entfernte Ziel, wird dann vielleicht irgendwo in Asien sein…

Ich habe die gesamten Tracks in einer Übersichtskarte zusammengefasst. Allerdings benötigen die GPS-Daten knapp 15 MB, das heißt, es wird ein bisschen dauern, bis sich die Seite aufbaut.

13. ( letzte) Etappe – Vancouver

Juli 242015

Heute gab es nun den, von den Kanadiern ersehnten Regen. Es ist auch kühl geworden. Das hat aber eine kleine Gruppe (6 Leute) mit Vitiya als Guide, nicht davon abgehalten, eine Regen-Fahrrad-Stadtrundfahrt zu unternehmen.
Zuerst ging es rund um den Stanley-Park. Mit den berühmten Totems der Indianer hier im Nordwesten.

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Die Totems symbolisieren die Geschichte des jeweiligen Stammes. Je mehr Macht ein Häuptling hatte, desto größer ist sein Totem.
Es gibt einen schönen Rad- und Wanderweg rund um die Halbinsel mit dem Park mit Blick auf die Skyline von Vancouver. Bei dem nasskalten Wetter waren heute dort nur wenige Menschen unterwegs. Aber dafùr sind die Fotos auch etwas trübe.

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Die zweite Runde ging dann mitten durch die Stadt.
Es wird ja behauptet, Vancouver sei die schönste Stadt der Welt. Ich will das nicht ‘unterschreiben’, aber es gibt hier schon ein paar interessante Sachen und schöne Ecken. Zum Beispiel eine Uhr, die von einer Dampfmaschine angetrieben wird, sehr viele Asiaten und mindestens genau so viele Gaststätten bzw. Fastfood-Buden. Eigentlich müßten die Kanadier hier viel dicker sein.
Die Stadt ist aber auch sehr Fahrrad-freundlich. Überall Radwege und für Radfahrer abgetrennte Spuren auf den Straßen.
Am Nachmittag sind wir zu Fuß durch die Stadt gezogen und haben eine ganze Menge Geld hier gelassen (am Abend , beim Abschiedsessen- und Trinken dann noch einmal fast genau so viel).

Die Strecke der Stadtrundfahrt im Regen.

12 Etappe Fort Langley – Vancouver

Juli 232015

Nach einem ziemlich dürftigen Frühstück im Hotel (Vitiya hat uns sicherheitshalber Sandwiches für den Weg im mitgegeben), haben wir, direkt am Fort, unseren Guide für die Etappe getroffen: Leon. Er ist der Chef von West Canada Bike Tours, ist 76 Jahre alt und wir hatten ganz schön zu tun, seinem Tempo zu folgen. Total fit der Bursche. Durch ihn haben wir noch eine Menge gelernt – z.B. über die Cranberry-Ernte, über Lachse und große Bäume und vieles mehr..
Auf der vorletzten Tour hatte mein Fahrrad seine erste Panne. Bis hierher musste es ganz schön ‘was mitmachen, hatte aber alles gut ùberstanden. Bis auf heute, den Dorn vom Brombeerstrauch. Die Zweige wachsen hier auf der Erde halb über den Radweg. Nach kurzer Reparaturpause ging es weiter über die ‘Golden Ear Bridge’, die über den Fraser-River führt, der trotz großer Trockenheit und niedrigem Wasserstand sehr breit ist.
In Vancouver wird das Wasser knapp – es ist zur Zeit verboten, u. a. Rasen zu sprengen und Autos zu waschen.

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Und dann hatten wir endlich das eigentliche Kanada – Erlebnis. Nachdem Krista, unsere Kanadierin, vor lauter Frust schon Bärenkacke auf dem Weg fotografiert hat, ist uns eine Schwarzbären-Familie über den Weg gelaufen. Die Bärenmutti hat ihre beiden Kleinen ganz schnell ins Gebùsch geschickt und ist dann auf dem Weg vor uns hergelaufen, um uns von denen abzulenken. Dabei hat sie sich ständig umgedreht, um zu sehen, was wir machen. Bis sie dann auch zwischen den Sträuchern verschwunden war.

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Wir haben dann , nach Vitiyas Obstbufett in Port Moody, die Fahrräder verladen und sind das letzte Stück mit dem Bus nach Vancouver zum Hotel gefahren. Das liegt nur ein paar hundert Meter von der Salish Sea entfernt. Diesmal ist unser Zimmer sehr klein – nur ein Doppelbett. Und im winzigen Bad ist das kleinste Waschbecken, was ich je gesehen habe.

Unsere Fahrt nach Vancouver.

Transfer Hope – Fort Langley

Juli 222015

Ein Fahrradfreier Tag.
Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir mit dem Bus – der hat übrigens mehr als 500000 km runter – in Richtung Fort Langley gefahren. An den Bridal Falls haben wir einen Zwischenstopp eingelegt. Wieder durch einen kanadischen Regenwald (die Bäume sind hier aber weit größer als gestern) ging es zu Fuss zum Wasserfall.

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Nach unzähligen Fotos fuhren wir weiter zum Gründungsort von Britisch Columbia. Das Fort Langley wurde von der Hudson Bay Company als Handelsstützpunkt angelegt. Im Big House (weil hier die beiden Big Bosse wohnten) wurde 1858 die Kronkolonie Britisch Columbia proklamiert.

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Im Fort steht auch das älteste Haus von BC, welches im Original erhalten ist.
Am Abend waren wir wieder einmal in einem Restaurant essen. Die Bedienung war ein bisschen komisch, ansonsten war’s ganz gut.
Unser Hotel hier liegt dicht neben einer Bahnstrecke. Die Züge fahren mit 3 Loks (2 vorne, 1 hinten) und mehr als 200 Waggons vorbei. Und am Bahnübergang in der Nähe hupen sie 3 mal richtig schön laut. Mal sehen, wie oft wir in der Nacht davon geweckt werden.

11. Etappe Merrit – Hope

Juli 212015

Das war heute eine sehr abwechslungsreiche Strecke.
Der erste Abschnitt ging durch wilde Natur. Wir fuhren etwas Abseits der Bahntrasse, weil diese durch diverse Bergrutsche und Steinschläge total zerstört wurde. Auf dem Abschnitt gab es einst 18 Tunnel und einige Brücken – dieser Teil wurde als erster in den 50er Jahren stillgelegt.

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Auf dem Foto kann man die zerstörte Brücke leider nicht so richtig erkennen.
Die Beschaffenheit des Weges war genauso wild, wie die Landschaft. Der führte zum Teil direkt an sehr tiefen Abgründen (100 m und mehr) vorbei, ohne irgendwelche Abgrenzungen..
Kurz danach fanden wir uns in einem ganz dunklen Hexenwald wieder. Es fehlte nur das Pfefferkuchenhaus.

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Die Handykamera hat das Bild etwas aufgehellt.
Der nächste Streckenabschnitt – nach der Mittagspause – war eine neue Erfahrung für uns. Fahrradfahren auf der Autobahn. 12 km auf dem Highway 5 – auf dem Seitenstreifen. Die haben hier nicht so viele Straßen, so dass soetwas eingeplant ist. Man darf hier ja nur 120 fahren und die großen Trucks sind auf die linke Spur gefahren, bevor sie uns überholt haben.
Trotzdem ein komisches Gefühl, zumal der Seitenstreifen an manchen Stellen nur etwa 1m breit war.
Nach der Autobahn ging’s zu den Otello – Tunneln am Coquilla-Canyon. Beeindruckend. Der Canyon wurde von einem Fluss in die Felsen ‘gefräst’, der dabei interessante Steinformationen erzeugt hat.
Die Felsen über den Tunneln sahen nicht sehr vertrauenserweckend aus.

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Der Erbauer dieses Teils der Bahnstrecke war Shakespeare – Fan und hat Stationen und Tunnel nach dessen Figuren benannt.
Nachdem wir die 3 Tunnel durchquert hatten, kamen wir, auf der andern Seite des Berges in den Regenwald. Hier war es feucht, es wuchsen viele Farne und die Bäume waren mit einer dicken Moos-Schicht überzogen.
Nach etwas mehr als 70 km haben wir unser Hotel erreicht. Einfach, aber ganz nett. Und wieder 3 Doppelbetten in unseren zwei Zimmern…
Zum Abendessen hat Vitiya für uns Rinder-Filetsteaks gegrillt. Richtig gut.

Und hier die längste Etappe.

 

10. Etappe Tulameen – Merrit

Juli 202015

undefinedGestern kam Vitiya zu mir und sagte, er hat eine Überraschung für mich. Da ich hier öfter mit meinem Wernesgrüner Fahrradshirt herumfahre, hat er eine Box mit dem passenden Bier dazu besorgt. Sonst gab es immer kanadisches, oder auch einmal tschechisches Bier. Er kannte das bisher nicht und fand dass es besser ist, als das Einheimische.

Die Tour heute war ein bisschen komisch. Die Strecke wäre eigentlich 85 km lang gewesen. Da das aber für die Meisten – bei dem Untergrund und etwa 30° – etwas zu viel gewesen wäre, sind wir sehr früh aufgestanden und mit dem Bus zum Zielort gefahren, haben den Hänger mit dem Gepäck und dem Essen abgestellt und sind zurück zum Einstiegspunkt nach Brookmere gefahren. Das ging nicht auf direktem Wege, weil die Strecke für den Bus nicht befahrbar ist.


Brookmere war eine Bahnstation der Kettle Valley Railway. Der Bahnhof steht nicht mehr, aber der alte Wasserturm zum Befüllen der Loks ist noch da.

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Der erste Teil der Strecke war wieder schwer zu befahren. Es gab bei einer Fahrerin deshalb auch einen Sturz mit blutenden Knie. Aber, ich hatte ja das Notfallset vom DRK (habe ich für’s Blutspenden bekommen) mit…
Wir mussten einen Steinschlag überqueren und an einer anderen Stelle war ein Stück des Trails abgestützt, so dass nur noch ein ganz schmaler Pfad übrig war.

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Da Vitiya wollte, dass wir am Nachmittag gut gelaunt im Hotel ankommen, hat er uns empfohlen, die letzten 35 km auf der Straße zu fahren. Was wir auch getan haben. Zumal diese durch ein paar Indianerdörfer führte. Die sahen aber ziemlich trostlos aus.

Die Strecke nach Merrit.

9. Etappe Princeton – Tulameen

Juli 192015

Das war wohl (gezwungenermaßen) die kürzeste Etappe. Nicht mal 7 km. Der Grund: wegen eines Bergrutsches ist ein Teil des Trails gesperrt und wir konnten erst nach der Sperrung starten.
Aber ich glaube, einigen Leuten war das ganz recht. Denn das Thermometer hier hat am frühen Nachmittag 35°C angezeigt. Im Schatten.
Außerdem ist es ungünstig, am Wochenende in Kanada Fahrrad zu fahren. Da holen alle Kanadier ihre Fahrzeuge mit großen Motoren raus und brettern durch die Gegend. Mit Cross-Maschinen und Buggies wühlen die den Fahrrad-Trail auf.
Es ist laut, stinkt und staubt enorm.
Vor dem Start wollten wir noch in Coalmont – am Ortseingang stand ein Schild mit dem Hinweis, dass sich durchreisende Frauen in Acht nehmen sollen, weil es hier fast nur Junggesellen gibt – in den Saloon gehen. Der hatte aber noch nicht auf.

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Da wir relativ zeitig hier in Tulameen angekommen sind, haben wir uns am Otter Lake etwas abgekühlt. Wir waren ein paar hundert Meter Abseits vom Badestrand, weil es dort zu laut war. Ich hatte die Angel mitgenommen, aber es gab wieder keinen Fisch zum Abend. Die Burschen hier sind wie die Idioten mit dicken Motorbooten und Jet-Ski über den See gekurvt und haben mir die Fische vertrieben.
Später, am Nachmittag wurde es dann ruhiger.

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Die Kurz-Etappe.

8. Etappe Jellicoe – Princeton

Juli 182015

Diese Etappe war relativ unspektakulär. Wir haben zwar bei einer steilen Abfahrt am Anfang den Einstieg in den Trail verpasst und mussten ein paar hundert Meter wieder hinauf, aber den Rest der Strecke sind wir im Mittelfeld recht entspannt gefahren. Diesmal waren die angesagten 40 km auch nur wirkliche 46 km. Leider war der größte Teil der Strecke wieder von der härteren Kategorie. Dafür ging es meist abwärts.
Anfangs durch den Wald, vorbei an tiefen Schluchten – und plötzlich waren wir in der Prärie.

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Die größten Tiere, die wir unterwegs getroffen haben waren Rehe. Die sind nicht so ängstlich wie zu Hause, sie lassen uns recht nah an sich heran.

undefinedInteressant war es, eine Reh-Familie zu beobachten. Die beiden Kinder spielten herum und die Mutter stand 50m daneben und hat genau aufgefasst, was sie so treiben.

Sorry, mein China-Handy macht keine ordentlichen Fotos.





Princeton ist eine kleine, typisch westkanadische Stadt, mit ein paar Hotels, Kneipen und Tankstellen. Und einer recht großen Holzverarbeitungs-Fabrik. Da werden die Spanplatten hergestellt, aus denen hier die Häuser gebaut werden.
Unser Hotel ist wieder ein Richtiges, nach der überladenen Puppenstube von gestern (da mussten wir uns die Schuhe ausziehen, bevor wir ins Haus durften).

… die 8. Etappe auf der Karte.

 

 

7. Etappe Okanagan Falls – Jellicoe

Juli 172015

Jellicoe ist eigentlich kein Ort, sondern nur eine Art Hotel in den Bergen. Das nächste Nest heißt Bankeir.
Die Fahrt hierher hat die gesamte Truppe nachhaltig beschäftigt und zu vielen Diskussionen geführt. Dabei fing alles so schön an.
Wir sind mit dem Bus nach Summerland gefahren. Dort gab es einen berühmten Süßigkeitenladen und eine Kirschplantage. Die Bäume waren voller reifer Kirschen. Das war eher was für mich. Allerdings hab ich die Wirkung später beim Radfahren gespürt. Es waren wohl ein bisschen zu viele.
Summerland hat außerdem eine der beiden letzten Bahnstationen der Kettle Railway. Pünktlich um 11:30 Uhr fuhr der Zug der “Canadian Pacific” ein, gezogen von der Engine #3716 (Baujahr 1912).

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Wir sind mit dem Zug bis Prairie Valley gefahren. Die Zeit, die der Conductor brauchte um jeden Fahrgast zu begrüßen, nach seiner Herkunft zu fragen und ein Loch in die Fahrkarte zu Knipsen, haben ein Banjo-Spieler und der singende Heizer mit Country & Western Musik überbrückt. War ‘ne schöne Fahrt im offenen Waggon.
In Prairie Valley ging’s auf die Räder. Laut Ankündigung eine einfache Strecke von 40 km. Es kam dann etwas anders. Der Veranstalter hat wohl vergessen, dass unsere Herberge auf dem Berg (1100 m hoch) liegt. Und dass in Kanada alles größer ist, als bei uns. Auch die Kilometer(?). Wir sind also 49 km auf nicht so gutem Untergrund bergauf gefahren – 540 Höhenmeter.
Das hat dazu geführt, dass ein paar Leute leichte Probleme hatten und etwas frustriert waren. Es war ja auch ziemlich warm.
Das Highlight des Tages ist aber unsere Unterkunft.
Ich hab noch nie so viele Sofas, Sessel, Kissen und Klimbim in einem Haus gesehen. Unser Zimmer heißt ‘Horse’. Das muss ein Kuschelpferd sein. Auf dem Bett lagen insgesamt 9 Kissen – 3 davon aus derben Leder.

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Und hier die Streckenführung des Tages.

Ruhetag in Okanagan Falls

Juli 162015

Da ich in meiner Jugend gerne und viele Indianerbücher gelesen habe, wollte ich mir die ‘Rothäute’ auch ‘in echt’ ansehen, wenn ich schon einmal hier bin.
Vitiya hat uns (fast die ganze Truppe) nach Osayoos gefahren – ein kleiner Ort in einer kleinen Wüste, in der einige der restlichen Okanagan Indianer ein Kulturzentrum betreiben.
Wir hatten dort eine interessante Führung von einer sehr hübschen, jungen Indianer Frau – Ayana. Winnetou müsste man sein…

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Das ist übrigens eine richtige Wüste, mit Kakteen und Klapperschlangen.

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Wir haben dann noch Einiges über die dort lebenden Schlangen gelernt und einer Vorführung von Indianer-Gesang und Tanz beigewohnt.
Heute betreiben die Indianer auch ein Weingut, wo wir zu einer Verkostung waren. Es hat sich aber niemand gefunden, der von dem Wein so richtig begeistert war.

Zum Abschluss sind wir zu einem Heiligtum der Indianer, dem Spotted Lake, gefahren.

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Bei niedrigem Wasserstand besteht der See aus vielen runden Wasserlöchern.

6. Etappe Chute Lake – Okanagan Falls

Juli 152015

Nach einem Frühstück, wieder ohne viel Geschirr zu benutzen, haben wir uns auf die Räder geschwungenen und sind über Serpentinen (wegen der 2%-Steigung für die Bahn) hinab ins Okanagan-Tal gefahren. Ins Indianer-Gebiet. Auf den ersten 25 km wurden wir ordentlich durch geschüttelt.
Oberhalb von Naramata wurden wir plötzlich von einem kurzen Stück ganz glattem Asphalt beglückt. Aber auch danach war der Weg recht ordentlich, so dass wir die nächsten 15 km ganz entspannt – immer am Okanagan Lake entlang – ins Tal rollern konnten.

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Das Okanagan Tal zählt zu den wärmsten Regionen Kanadas. Wir sind durch Weinberge und Obstplantagen (auch Pfirsiche und Aprikosen) gefahren. Und immer wieder wird man darauf hingewiesen, dass da noch andere leben.

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Ich habe aber immer noch keinen getroffen.
Mittagessen (Obst und Sandwich) gab’s dann im Rosengarten von Penticton. Da war es schattig.
Das ist eine recht hübsche Stadt, direkt am See mit einem kilometerlangen Stand. Wames Wasser, Sonnenschein und viele Leute dort. Die Stadt beherbergt auch die älteste Eishockey-Akademie Kanadas.
Nach der Pause ging es dann für die nächsten 20 km am Skaha Lake entlang, an dessen Südspitze Okanagan Falls mit unserem Hotel liegt.
Wir haben ein schönes Appartement mit Balkon und Blick auf den See.
Ich hab mich abends nochmal auf’s Rad gesetzt und bin ein Stück auswärts zum Angeln gefahren. Aber ohne Erfolg.
Und hier wieder die Tour des Tages.

5. Etappe Beaverdell – Chute Lake

Juli 142015

Laut Vorankündigung war das der Schönste Abschnitt der Tour. Wir fuhren auf der alten Bahnstrecke um den Myra-Canyon. Um den zu überwinden wurden 18 Holzbrücken gebaut und 2 Tunnel gesprengt. Einige der Brücken sind ganz schön gewaltig.

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Es gibt dort immer wieder große Waldbrände, die auch die Brücken beschädigen. Die werden aber recht schnell repariert, denn der Canyon ist auch für die Kanadier eine Touristenattraktion. Es sind dort viele Leute unterwegs. Der Vorteil: die Strecke ist einigermaßen gut befahrbar.
Vom Canyon aus ging es dann weiter zu einem ziemlich hoch gelegenem See – Chute Lake – wo sich unser Domizil für die Nacht befand.
Und es gibt noch gewaltige Steigerungsformen bezüglich der Unterbringung!
Ein uraltes Blockhaus, total heruntergekommenen. Lustige Zimmerchen ohne alles. Ein Bett, ein altes Sofa und ein kleiner Tisch. Ein winziger Waschraum mit Klo und Dusche für alle im Erdgeschoss – der Zugang über eine abenteuerliche Treppe. Die Dusche sollte in der Zeit von 8 Uhr bis 22:30 Uhr nicht benutzt werden.

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Falls der Andrang zu groß ist, konnte man auch auf das Plumpsklo ausweichen. Und wenn man einen Gleichgesinnten findet, muß man sich nicht so alleine quälen.

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Wir haben das Duschen weggelassen und waren im See baden.
Da unser Bus mit großer Verspätung ankam – erst hat Vitiya den Auspuff vom Bus verloren und musste in eine Werkstatt, dann war er Unfall-Zeuge und musste auf die Polizei warten – haben wir uns anderweitig vergnügt. Zum Beispiel mit Biertrinken. Das durften wir aber nur direkt unter dem Hausdach. Sowie einer mit Bierflasche auf die Wiese, oder an den Gartentisch (2m vom Haus entfernt) gegangen ist, kam die Wirtin heraus gestürzt und hat uns an die kanadischen Gesetze erinnert. Wir waren dort übrigens die einzigen Gäste.
Da es auch keine Möglichkeit gab, unser Geschirr abzuwaschen, haben wir, nachdem der Bus mit unseren Sachen und der Verpflegung da war, alle aus einem ‘Topf’ gegessen.
Einige unserer Truppe waren ziemlich frustriert wegen der Zustände. Ich fand’s lustig – wir waren ja auch im wilden Westen.
Das dollste aber war der Preis für die Bruchbude: 110 Dollar. Ohne Frühstück. Handtücher kosteten extra. Und auf dem Klo stand eine Sparbüchse mit der Bitte um eine Spende fùr’s Klopapier.
Aber vielleicht haben die damit ihr Museum finanziert. Eine riesige Ansammlung von Schrott in einem offenem Schuppen.

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Verlauf der 5. Etappe.

4. Etappe Midway – Beaverdell

Juli 132015

Wir waren die letzten beiden Tage in der Wildnis, ohne Telefon und ohne Internet. Deshalb die Pause.
Da die Entfernung nach Beaverdell zu groß ist, hat Vitiya uns die ersten 20 km mit dem Bus gefahren. So waren es noch 55 km auf einem Untergrund, der etwas besser war, als auf den vorherigen Etappen. Anfangs fuhren wir gemütlich am Kettle River entlang.

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Die Landschaft wurde dann aber ein wenig wilder. Schroffe Felsen, Schluchten und richtiges Wildwasser.

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Große Tiere haben wir immer noch nicht getroffen. Nur ein paar Schlangen und Streifenhörnchen.
Das richtig Scharfe ist aber der Ort Beaverdell. 300 Einwohner, total ‘schräge’ Hütten (Wohnhäuser) und überall stehen verschrottete Autos und Traktoren herum.
Unser Haus sieht von außen aus, als ob es jeden Moment zusammenbrechen würde.

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Von innen ist es herrlich. Wie ein kleines Museum. Ein riesiger E-Herd mit einer Schalttafel wie aus einem Kraftwerk, lustige Lampen mit (und ohne) Ventilator und Schalter per Seilzug und ein Eisenofen, der in einer Ecke steht, die komplett mit schwarzem Eisenblech verkleidet ist. Aber es ist alles ordentlich und funktioniert auch.

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… unsere heutige Tour.

Ruhetag in Midway

Juli 122015

Heute (Sonntag) konnten wir etwas länger schlafen. Zum Frühstück haben wir uns auf einer Wiese am Fluss – dem Kettle-River – getroffen, wo Vitiya auch heute Abend wieder für uns kochen wird.
Es war ein ruhiger (Wasch)Tag, denn allzu viel kann man hier nicht unternehmen. Der Ort ist winzig klein, hat aber einen schönen Saloon. Mit gutem Bier.

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Außerdem gibt’s ein kleines Museum und ein paar Wanderwege.
Wir haben am Nachmittag eine Kanu-Tour auf dem Fluss gemacht. Es gab diverse Stromschnellen und viele große Steine im flachen Wasser, die wir umkurven mussten. Das Boot hat dabei ein bisschen gelitten. Hat Spaß gemacht. Steve (der Eigner und Guide) hat unterwegs noch eine Runde Bier ausgegeben. Ein cooler Typ. Die meisten Leute hier machen einen ziemlich lockeren und entspannten Eindruck und sind sehr freundlich.

3. Etappe Grand Forks – Midway

Juli 112015

Heute sind wir schon etwas früher gestartet, um nicht in der Mittagshitze den Berg hoch fahren zu müssen. Es war zum Glück nicht so heiß, denn wir hatten zum Anfang 25 km bergauf zu fahren. Die Steigung war nicht so doll, aber der Untergrund war die Härte. Wir sind zu zehnt gestartet (von 15), aber Roger, unser lustiger Engländer, hat nach ein paar Kilometern aufgegeben und ist zurück zum Bus gefahren.
Die Fahrt bis auf den Pass war ganz schön schweißtreibend und ich hoffe, dass auch ein paar der überflüssigen Zellen im meiner Körpermitte ‘dran glauben mussten. Obwohl, wenn ich so an mir herabsehe…

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So, wie auf dem Foto war bisher die gesamte Strecke beschaffen und das wird sich wohl auch nicht ändern.
Ein paar Relikte aus der Pionierzeit des Eisenbahnbaus hier in Kanada haben wir auf dem Weg gefunden. Falls jemand einen dicken Nagel, oder eine Mutter braucht – einfach melden. Ich bringe die dann mit.

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…und hier der Verlauf der heutigen Etappe.

 

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D. Blisse 2019