Blisse-Müller-News

Kirsten und Detlef unterwegs

Radfahren im Ruhrgebiet - der Rückblick

Aug. 312020

In der vergangenen Woche haben wir die 5 Rundkurse, die in der Karte eingezeichnet sind, mit unseren Fahrrädern abgefahren. Ohne irgendwelche Pannen oder andere technische Probleme.  Ein großer Teil der Radwege sind ehemalige Bahntrassen, die sehr gut ausgebaut wurden. Die Sehenswürdigkeiten sind überall ausgeschildert - ich hätte mir jedoch gewünscht, dass das mit den Gaststätten bzw. Biergärten oder den fahrradfreundlichen Übernachtungsmöglichkeiten ähnlich wäre. Wir haben nur ganz wenige Hinweise auf solche Lokalitäten, die nahe der Radwege liegen, gefunden. Aber, wir hatten ja unsere eigene Verpflegung dabei und außerdem gut gefrühstückt.

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Unser zentraler Startpunkt für die Touren war das "Restaurant & Hotel Am Kreuz" in Essen-Stoppenberg. Als wir dort ankamen, stellten wir fest, dass es direkt an einer größeren, verkehrsreichen Kreuzung liegt (wie der Name schon sagt). Unser Zimmer lag aber auf der abgewandten Seite des Hauses mit Blick auf den großen Garten - na und auf die Parkplätze. Vom Verkehr haben wir kaum etwas mitbekommen.

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Wir wurden dort sehr freundlich aufgenommen und auch sehr gut bewirtet. Eigentlich hätten wir noch mehr Rad fahren müssen, um die üppigen Mahlzeiten wieder 'abzuarbeiten'.

Tour 5 - Bahngeschichte(n)

Aug. 252020

Unsere heutige Runde (die letzte hier) war etwas hügeliger als die bisherigen und führte uns über mehrere wichtige Bahntrassenradwege durch das Ruhrgebiet. Das Auto konnte stehen bleiben, da der Startpunkt für uns wieder die Zeche Zollverein war.
Anfangs fuhren wir auf dem schon bekannten "Zollvereinweg", bis wir in Richtung Bochum-Dahlhausen abbogen. Kurz danach mussten wir erst einmal anhalten. An der Schokoladenfabrik "Ruth" in Bochum-Wattenscheid, mit einem schönen Cafe' und Werksverkauf. Danach ging es kreuz und quer durch weitläufige Felder, vorbei an Bauern- und Reiterhöfen. Nach einigen Anstiegen führte eine steile Abfahrt hinunter ins Ruhrtal.
Bevor es auf dem "Springorum-Radweg" in die Bochumer Innenstadt ging, haben wir dem privaten Eisenbahnmuseum in Dahlhausen einen Besuch abgestattet. Da es auch hier einige Einschränkungen gab, haben wir uns das dann aber nur von Außen angesehen.

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Kirsten hat überlegt, ob sie eventuell schon einmal in diesem S-Bahn-Waggon mitgefahren ist.
An dem schönen Brunnen im Ort, der an eine Lokomotive erinnert, wollten wir nicht ohne Fotostopp vorbei fahren.

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Weiter ging es auf ganz glattem Asphalt hinein in die Innenstadt von Bochum. Wir haben uns diesmal nicht verfahren, dafür den ersten Regenschauer des Tages abbekommen.
Unser nächstes Ziel war die Jahrhunderthalle in Bochum. Sie wurde 1902 vom Bochumer Verein für die Düsseldorfer Industrie- und Gewerbeausstellung gebaut und anschließend als Gebläsemaschinenhalle für die Hochöfen des Bochumer Vereins wiederverwendet. Heute dient sie als Veranstaltungsort für verschiedene Events.
Die Halle wurde so gebaut, dass sie nach der Ausstellung komplett wieder demontiert und in Bochum neu aufgebaut werden konnte.
Sie ist das Zentrum des Bochumer Westparks, in den das ehemalige Industrieareal integriert wurde.

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Der Park wurde heute von einer Vielzahl von Wildgänsen als Zwischenlandeplatz für deren Reise ins Winterquartier genutzt. Die ließen sich von mir nicht stören, nur anfassen durfte ich sie nicht. Dann haben sie mich angefaucht und sind einen halben Meter weiter gehüpft.

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Über die 130 Meter lange, doppelt gekrümmte Hängebrücke "Erzbahnschwinge", am Anfang der Erzbahntrasse, führt die Route vorbei an der Zeche Vereinigte Carolinenglück zurück in Richtung Essen.

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An der Erzbahnbude, die wir schon am Sonntag besucht hatten, zweigt der Weg auf die Kray-Wanner-Bahn - zurück zur Zeche Zollverein ab. Den Weg kannten wir ja schon, fuhren ihn aber in entgegengesetzter Richtung - diesmal im Regen.
Damit ist unsere Fahrrad - Erkundungstour durch das Ruhrgebiet beendet. Insgesamt haben wir auf den verschiedenen Runden 283km zurück gelegt, viel gesehen und Einiges dazu gelernt. Wie gewohnt, wird es wieder eine Rückschau geben, die ich aber erst zu Hause fertig stellen kann. 

Tour 4 - Brücken und Kunst - Route

Aug. 232020

Weil heute Sonntag ist, haben wir uns eine kürzere Rundtour ausgesucht. Start- und Endpunkt war wieder die Zeche Zollverein in unserer Nähe. Der größte Teil der Stecke verlief auf gut ausgebauten ehemaligen Bahntrassen mit sehr vielen Brücken. Die ältesten stammen aus den 1860er Jahren, es gibt aber auch einige moderne, zum Beispiel das architektonische Highlight am Rhein-Herne-Kanal - die markant geschwungene Brückenkonstruktion der Grimberger Sichel.

Grimberger Sichel

Das Foto habe ich mir von der Website "ruhr-tourismus.de" geborgt. Die Fotografin hat zwar sehr viele Fotos von dieser Brücke gemacht, aber auf keinem sieht man die Sichel als Ganzes. Und eine Drohne mit Kamera hatten wir gerade nicht dabei.

Nach etwa 1km kamen wir an der Schachtanlage 3/7/10 des Zechengeländes Zollverein vorbei. Neben dem Fördergerüst, welches man auch besteigen kann, befindet sich noch ein 'Mitmachmuseum'. Aber das Virus hat alles fest im Griff. Hinein bzw. hinauf kommt man nur nach Voranmeldung in ganz kleinen Gruppen.

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Es ging weiter in Richtung Essen-Kray auf der Kray-Wanner-Bahntrasse bis zur Halde "Rheinelbe". Die wurde bis 1928 mit Abraum der gleichnamigen Zeche aufgeschüttet. Auf der Haldenspitze steht die "Himmelstreppe" des Künstlers Herman Prigann.

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An der Erzbahnbude direkt am Wegedreieck zwischen Kray-Wanner-Bahn und Erzbahntrasse gab es für uns eine kleine Obstpause. Die Imbissbude ("Büdchen") ist einer der Kult-Radlertreffs im 'radrevier.ruhr.' und war zu der Zeit auch gut besucht. Live-Musik und kostenlose Fahrrad-Checks, wie an den Wochenenden üblich, gab es aber nicht (das Virus ?).
Weiter ging es zur Grimberger Sichel (Foto oben), die an nur einem großen Stahlpylon hängt.
Die Strecke direkt am Kanal entlang führte zum ehemaligen Kohlenhafen Bismarck, der zu einer moderne Marina umgebaut wurde.

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Die Hafeneinfahrt wird von der "ZoomBrücke" überspannt, die ebenfalls nur an einem Pfeiler befestigt ist.
Wie auf den Fotos zu sehen, war es heute sehr wolkig und merklich kühler als an den letzten Tagen. Dazu kam, dass sich die Wolken nicht an den Wetterbericht gehalten und trotz anderer Vorhersagen, ihr Wasser abgelassen haben. Wir fanden aber einen dicht belaubten Baum zum Unterstellen und sind nur wenig nass geworden.
Weiter ging es entlang des Kanals, vorbei an vielen unterschiedlichen Brücken, von denen es die "Bogenbrücke Nordsternpark" der Fotografin am meisten angetan hat.

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Die letzten 5km der Strecke fuhren wir auf dem gleichen Weg, wie schon bei der Tour 2, vorbei an der Schurenbachhalde. Wir haben gelesen, dass auf dem Haldenplateau die große "Bramme für das Ruhrgebiet" des Künstlers Richard Serra steht.  Da ich bis vor kurzem nicht wusste, was eine Bramme ist, bin ich die 265 Stufen und den Rest des Anstieges bis zum Plateau hinaufgestiefelt, um mir das Ding anzusehen.

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Da steht also eine Stahlplatte, die 14,5m hoch, 4,2m breit und 13,5cm dick ist. Sie wiegt 67 Tonnen. Merkwürdigerweise wurde die in Frankreich hergestellt, da es im Ruhrgebiet keine Fertigungsanlagen für diese Größe mehr gab.
Vom Plateau aus hat man einen weiten Blick über das gesamte Ruhrgebiet. Es war nur leider etwas diesig und wolkig als ich dort oben war und das Foto gemacht habe.
Zum Abschluss der heutigen Tour wollten wir in den netten Biergarten auf dem Gelände der Zeche Zollverein einkehren. Diesmal gab es ein technisches Problem. Die Zapfanlage war kaputt. Also weiter zum nahegelegenen Restaurant "The Mine". Dort überraschte uns ein Regenschauer, dem die aufgestellten Schirme nicht stand hielten. Zum Glück fanden wir in der Gaststätte noch einen Tisch mit ausreichendem Abstand zu den anderen.
Montag ist im Ruhrgebiet Ruhetag. Auch für uns. Wir wollten den Tag eigentlich nutzen, um ein Museum oder eine Ausstellung zu besuchen - klappt aber nicht. Montags ist einfach alles geschlossen, wie auch das Restaurant unseres Hotels. Mal sehen, wo wir heute etwas zu essen finden...

Tour 3 - Stahlküche - der Wandel

Aug. 222020

Der Startpunkt der heutigen Runde ist der Gasometer von Oberhausen, der aber wegen Restaurierungsarbeiten in diesem Jahr geschlossen ist, so dass wir nicht hinaufklettern konnten. Wir packten unsere Räder auf's Auto und fuhren dorthin, da die Stadt mit mehreren Tausend Parkplätzen am nahe gelegenen CentrO (der größten Shopping Mall Europas) warb. Und hatten unser erstes Problem des Tages:
Die Parkplätze waren ausschließlich in (auf) Parkhäusern, in die wir mit den Rädern auf dem Autodach nicht hinein fahren konnten. Wir haben auch keine Möglichkeit gefunden, irgendwo lange genug zu halten um sie vorher abzubauen. So ging die Suche weiter, bis wir etwas abseits einen Platz für das Auto gefunden haben.
Und schon hatten wir unser nächstes Problem: Wir mussten den Einstieg in unsere Route finden. Wir waren mehrmals kurz davor, dann war da aber eine Baustelle oder Straßensperrung wir kamen woanders an, als gedacht. Wir haben uns vielleicht auch ein bisschen doof angestellt. Nach zwei Versuchen haben wir uns entschlossen, am Rhein-Herne-Kanal entlang bis nach Duisburg zu fahren und somit einen Teil der vorgegebenen Tour zu umfahren. Allerdings gab es auch hier eine Sperrung des Radweges mit zwei Umleitungsstrecken. Wir wussen nicht dass wir die nach Dinslaken hätten nehmen sollen (wir wollten ja nur zum Hafen von Duisburg - übrigens, dem größten Binnenhafen der Welt). Und schon hatten wir 2 Kilometer mehr auf dem Tacho - der Weg ist das Ziel.


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Neben Kohle (jetzt wohl nicht mehr - die Förderbänder sind schon etwas rostig), Stahl, Öl und anderen Gütern warten hier auch sehr viele gebrauchte Autos auf ihre weitere Verwendung in Osteuropa oder Afrika.

Interessante Anmerkung am Rande: Durch Flussbettregulierung, Deichbau und die Schifffahrt wird der Rhein jedes Jahr ca. 4cm tiefer, was dazu führt, dass in dessen Umfeld der Wasserspiegel sinkt. Als der Duisburger Hafen zu verlanden drohte, wurde der einfach um etwa 2m abgesenkt. Bis Ende der 60er Jahre wurde unter den Hafenanlagen systematisch Kohle abgebaut (12 Millionen Tonnen). Danach wurden sämtliche Hafeneinrichtungen, samt Deichen, Kais, Hafenbecken, Lagergebäuden, Schienen und Krananlagen mit Hilfe gezielter Bergsenkungen auf eine niedrige Position gebracht. Die Großanlagen überlebten das Verfahren unbeschadet, bei den Schienen gab es einige Probleme.

Wir fuhren bis zur Mündung des Kanals in den Rhein und dann einige Kilometer bei sehr starkem Wind auf dem Deich entlang des Flusses, auf dem reger Schiffsverkehr herrschte. Und an beiden Ufern - riesige Industrieanlagen, welche noch in Betrieb sind.

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Das, was wir von Duisburg gesehen haben, hat nicht unbedingt dazu beigetragen dass das die Stadt unserer Träume wird. Die Einwohner mögen mir das nachtragen.

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Bei Thyssen-Krupp war es nicht nur laut, auch die Luft war nicht ganz so frisch. Es roch nach Arbeit und man hatte das Gefühl, dass über allem ein rostbrauner Dunstschleier hing.

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Nachdem wir den Rhein verlassen haben, fuhren wir auf der HOAG-Trasse, vorbei an der Zeche Sterkrade, zurück nach Oberhausen. Diese ehemalige Bahntrasse war eine zentrale Güterverbindung zwischen dem Hafen in Walsum und den Zechen und Stahlwerken im westlichen Ruhrgebiet.
Da wir den Grünen Pfad (ebenfalls eine alte Bahntrasse der Emschertalbahn) zum Landschaftspark Duisburg-Nord am Anfang der Runde umfahren und auch noch genügend körperliche Reserven hatten, haben wir noch einen Abstecher dorthin gemacht (mussen dann aber auf dem gleichen Weg wieder zurück). Das ehemalige Hochofenwerk wurde 1985 stillgelegt und in den 90er Jahren zu einer Freizeiteinrichtung ausgebaut. Heute finden dort (normalerweise) Konzerte, Festivals und Street Food Märkte statt, man kann dort Klettern, Tauchen oder oder sich einfach nur die beeindruckende Industriekulisse ansehen. Wegen Corona gab es aber nicht einmal gezapftes Bier dort.

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Zurück in Oberhausen fuhren wir dann am ersten geöffneten Biergarten des Tages - nach fast 60km - vorbei. Da aber unser Auto ganz in der Nähe auf uns wartete, haben wir den ausgelassen. Den Weg zum Auto haben wir diesmal ohne Umwege gefunden. 

Tour 2 - Grubenfahrt - den Bergbau erfahren

Aug. 212020

Unsere heutige Etappe startete bei leichtem Regen an der Zeche Zollverein. Wir hatten uns vorher etwas mehr mit dem Markierungssystem der Rad-Routen hier, den Knotenpunkten, beschäftigt und uns dadurch auch etwas besser zurechtgefunden.
Unser erster Fotostop war die weltweit einzige Brieftaubenklinik. Man ist hier also gerüstet, wenn das digitale Nachrichtensystem wegen Hackerangriffen, Stromausfall o.ä. zusammenbrechen sollte.

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Den Abstecher auf die 50 Meter hohe Schurenbachhalde haben wir weggelassen, weil nicht zu erkennen war, ob dort ein, mit dem Rad zu befahrener, Weg hinauf führte. Und die Treppe zum Gipfel hatte ganz schön viele Stufen...
Also sind wir weiter in Richtung Bottrop, durch die schöne Gartenstadt Welheim – hier wohnten Bergleute der Zeche Vereinigte Welheim - gefahren. Inmitten der kleinen Häuser steht ein riesiger grauer Betonbunker aus dem 2. Weltkrieg (ähnlich dem in Berlin in der Reinhardstraße).
Die Halde an der Beckstraße in Bottrop hatte neben der Treppe eine gut asphaltierte Auffahrt, die wir hinauf gefahren sind, da auf derem Gipfel im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA Emscherpark in den 90er Jahren eine pyramidenförmige Krone - der Tetraeder Bottrop errichtet wurde.

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Vom obersten Ring des Tetraeder hatten wir einen guten Blick über den gesamten Ruhrpott. So auch auf die nah gelegene, noch im Betrieb befindliche, Kokerei Prosper Haniel, aus deren Schornstein gerade mächtig Dampf (?) abgelassen wurde.

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Die Fotografin war besonders von den Kontrasten in der Gegend fasziniert. Einerseits die Häuschen im Grünen, dagegen die Spuren der Industrie, die überall allgegenwärtig sind.
Mittlerweile hatten wir schon einige Kilometer in den Beinen und auch Lust auf eine kleine Pause mit anregenden Getränken. Von einem Biergarten war aber weit und breit nichts zu sehen. Als wir dann den einzigen an der Stecke gelegenen erreicht hatten, mussten wir noch eine viertel Stunde warten, weil der erst um 16 Uhr geöffnet wurde. Dort ereilte uns der erste kräftige Regenschauer des Tages. Nachdem  der vorbei war, ging es auf den Rädern weiter. Bis zum Nächsten. Wir haben uns zwar unter einem Baum untergestellt, waren aber trotzden innerhalb weniger Minuten bis auf die Haut durchnässt.
Auf dem letzten letzten Stück der Strecke zurück zum Hotel haben wir uns noch einmal schön verfahren und dabei noch  mehrere Regenschauer abbekommen. Aber, nasser als wir schon waren, ging eigentlich nicht. Und es war ja recht warm.

Tour 1 - Gartenstadt - Kontraste

Aug. 202020

Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir die Räder wieder auf's Auto gepackt und sind zum Startpunkt unserer heutigen Runde gefahren. Die Tour führte uns die meiste Zeit entlang des Flusses Ruhr. Viel Natur, relativ gut ausgebaute Radwege, aber mit der Beschilderung hatten wir so unsere Probleme. Die ist zwar recht gut, funktioniert aber nur, wenn man die ausgeschilderten Orte und deren Lage in der Landschaft kennt. 
Wir sind jedenfalls ein paar Kilometer mehr gefahren als für die Runde angegeben waren. Allerdings haben wir auch einen kleinen Umweg zur 'Villa Hügel' - dem Familiensitz der Familie Krupp - gemacht. Nach dem Lockdown sind der Park und die Gebäude für Besucher seit dem 1. August wieder geöffnet. Wir haben uns also den Hügel hinauf gearbeitet, um dann vom Pförtner zu erfahren, dass heute geschlossen ist. Der war nicht zu überreden, wenigstens einen von uns für ein Foto in den Park zu lassen.

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Also haben wir nach der Abfahrt, als wir wieder am Fluss waren, erst einmal eine Pause gemacht und die Reste unseres Frühstücks aufgegessen. Am gegenüberliegendem Flussufer war einer der Campingplätze, von denen es hier sehr viele gibt, einige sogar direkt an der Autobahn.

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Wir hatten uns vorgenommen, bevor wir nicht mindestens die Hälfte der Strecke absolviert haben, die Biergärten an der Strecke zu ignorieren, was ein großer Fehler war. Denn, als wir weiter in Richtung Mühlheim fuhren und nach einigen Umwegen auf den RadSchnellweg 1 (RS 1) kamen, waren die alle weg.

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Der Radschnellweg Ruhr, kurz RS1, ist ein rund 100 Kilometer langer Radschnellweg von Duisburg nach Hamm, der sich überwiegend noch in Planung befindet. Befahrbar ist bislang ein 12,5 Kilometer langes Teilstück zwischen Mülheim an der Ruhr und Essen. Diese Trasse wird auch als „Rheinische Bahn“ bezeichnet, da sie auf einem Teil der einstigen Bahnstrecke Osterath–Dortmund Süd der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft verläuft (von Wikipedia). 
Man konnte dort zwar gut fahren, war aber von den anliegenden Orten weitgehend abgeschirmt. Aber, es gibt ja das Internet, mit dessen Hilfe wir ein nettes, kleines Restaurant - etwas abseits der Strecke - gefunden haben. Die Fotografin war schon etwas geschafft, hat aber den steilen Anstieg dorthin noch geschafft. Danach ging es dann ganz locker zu unserem Ausgangspunkt zurück.

Industrie, Kultur und Natur

Aug. 192020

Für den Sommer 2019 hatten wir bei einem kleinen Rad-Reise-Veranstalter eine Rundreise durch das Ruhrgebiet gebucht. Wegen einer dringend erforderlichen Knie-OP  bei der mitreisenden Fotografin, musste diese aber storniert werden. Als wir die Tour in diesem Jahr nachholen wollten, stellten wir fest, dass die nicht mehr angeboten wird. Auf meine diesbezügliche Anfrage bei "Radissimo" wurde die Reise extra für uns erneut zusammengestellt, und wir konnten buchen.
Dann kam Corona. Und das Reisebüro musste Konkurs anmelden.
Also haben wir uns die Tagestouren selbst zusammengestellt, einen Standort gesucht, von dem aus die meisten gut zu erreichen sind und ein Hotelzimmer in Essen-Stoppenberg gebucht. Das sind wir nun.
Nachdem wir das Zimmer bezogen hatten, haben wir die Räder startklar gemacht und sind zur Zeche Zollverein gefahren, die ganz in der Nähe liegt.

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Aufgrund der aktuellen Lage ist das Besucherprogramm dort etwas eingeschränkt, wir haben aber noch eine Führung durch die Kohlewäsche bekommen, die sehr interessant war.
Um, bzw. durch die Industrieanlagen der Zeche Zollverein wurde ein Rad- / Wanderweg von ca. 3,5 km Länge angelegt, den wir zwei mal absolviert haben. Zuerst vor der Führung um zu sondieren, danach dann zum Fotografieren bei etwas tiefer stehender Sonne.

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Die Anlagen sind schon ziemlich beeindruckend. Besonders die Kokerei.

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Im Zuge der Führung sind wir auf das Dach der Kohlewäsche gestiegen und konnten schon einmal ein Blick auf die Gegend werfen, die wir in den nächsten Tagen per Rad erkunden werden.

Natur & Kultur

Mai 312020

Unsere heutige Tour führte uns südlich von Wesenberg über Mirow, Fleether Mühle, Canow zurück nach Wesenberg. Die Sonne schien, es war etwas wärmer als gestern, dafür war der Ostwind noch etwas stärker.
Der Radweg nach Mirow, entlang der B198 ist zwar recht gut beschaffen, aber nicht so schön (viel Verkehr auf der Straße). Mit dem Wind im Rücken war er zügig absolviert.
Unser erster "Versorgungs-Stopp" sollte im Biergarten in Fleether Mühle sein (es war ja auch schon nach 12, da wir, wie fast immer, nicht so zeitig losgefahren sind). Dort angekommen, mussten wir feststellen, dass das alte Herrenhaus mit der Gaststätte (und dem Biergarten) abgerissen wurde. Mit dem Bau des neuen Hauses wurde noch nicht begonnen (unsere Räder auf dem Foto stehen direkt neben der Baugrube). Es gab zwar eine Imbissbude und eine Wiese dazu, aber auch sehr viele Menschen dort.

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Da der nächste schöne Biergarten nur ein paar Kilometer entfernt ist, sind wir weiter zur Schleuse Diemitz gefahren. Auf die Idee sind aber noch viele andere gekommen. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen wurden dort die Gäste vom Personal zu den freien Tischen geleitet. Es stand schon eine ganze Menschentraube dort und wartete auf die Platzierung. Da wollten wir uns nicht dazu stellen.
Auf solche "Notfälle" war ich aber vorbereitet und hatte vorsorglich zwei Flaschen Radeberger eingepackt.
Gegenüber dem Biergarten ist ein Rastplatz, wo wir unser mitgebrachtes Bier tranken. Und Live-Musik hörten.

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Die Band "Collec Tiv" aus Neustrelitz spielte auf. Ich gebe hier die Beschreibung, die sich Georg Hunkel & Lutz Friedel selbst gegeben haben (auf ihrer Visitenkarte) wieder:
"Aristrokatische Proleten: musikalische - sprachlich, politisch unkorrekte Querfront.
Hauptsächlich nemezkijasek
Komödiantische E-Musik, Bierernste U-Musik und das aus vielen Kisten für Feiern aller Art.
Collec Tiv seit über zehn Jahren im Dienste ganzer Völker"
Es hat uns richtig Spaß gemacht. Und ich denke, den Musikern auch.

Irgendwann, das Bier war mittlerweile alle (obwohl uns die Musiker von ihrem Vorrat auch etwas verkauft hätten) sind wir weiter nach Canow gefahren. Auf mäßig befahreren Nebenstraßen mit teilweise sehr holperigem Kopfsteinpflaster.
Direkt am See, auf einer kleinen Wiese gab es dann auch etwas zu essen. Allerdings haben die beiden Betreiber des stationären Imbisswagens wohl nicht damit gerechnet, dass am Pfingstsonntag Leute dorthin kommen und auch noch etwas bestellen. Es ging alles ein bisschen langsam - aber wir hatten ja Zeit.
Die Leute, die vor mir dran waren, haben Crepes bestellt. Die Frau hinter dem Tresen hat dann Eier in einen Topf geschlagen, Milch dazu gegeben, dann aber erst mal das Mehl gesucht. Es wurde alles online direkt nach der Bestellung hergestellt. So auch unsere Fischbrötchen. Dafür waren sie frisch und haben gut geschmeckt.

Da wir nicht auf der Bundesstraße zurück nach Wesenberg fahren wollten, haben wir unsere Radkarte nach einem alternativen Weg durch den Wald befragt und auch einen gefunden. Ein unbefestigter Wald- bzw. Feldweg. Der dann wegen einer Sperrung umgeleitet wurde. Eigentlich wollten wir nicht bis nach Strasen fahren, sind dann aber doch dort gelandet. Auf unserer Karte war noch ein regionaler Radweg in Richtung Ahrensberg eingezeichnet, auf den wir mutig abgebogen sind, obwohl der Weg schon ein bisschen komisch aussah.

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Es waren ja auch Fahrradspuren im Sand. Anfangs. Nachdem wir ein paar Kilometer zwischen den Feldern gefahren sind, hörte der Weg auf. Da, wo der kleine dunkle Punkt (ich) auf dem Foto vor der Baumreihe zu sehen ist. Es wurden wohl die Ackerflächen neu sortiert und unser Weg mit umgepflügt. So sind wir eben bis zur nächsten Abzweigung wieder zurück gefahren. Letztendlich kamen wir kurz hinter Strasen auf die Straße, von der wir zuvor abgefahren sind. Nur wenige hundert Meter weiter. Der Weg ist das Ziel!

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Außerdem wären wir ohne den Umweg nicht an der Alpaka-Farm vorbei gekommen. Die Tiere sahen so frisch geschoren, schon etwas lustig aus. Und haben sich wie ein paar Foto-Modelle benommen und für uns posiert.
Weiter ging es dann auf der Straße nach Ahrensberg. Die schöne hölzerne Hausbrücke (die älteste Norddeutschlands) haben wir diesmal ausgelassen. Auch den Biergarten mit Fischverkauf beim Fischer. Wir waren dort bei einer früheren Tour durch diese Gegend.

Bis Wesenberg war es nicht nun mehr weit. Unser nächstes Ziel war das Strandrestaurant am Weißen See. Auch hier lief nach der Wiedereröffnung noch nicht alles rund. Die ersten 20 Minuten wurden wir komplett ignoriert. Dann kam eine Kellnerin doch zu uns - die Getränkebestellung- und Lieferung klappte danach ganz gut. Aber als wir das Essen bestellen wollten, sagte sie, das es zur Zeit nichts gibt. Es stellte sich heraus, dass aufgrund von Personalmangel alle vorhandenen Mitarbeiter erst einmal das Geschirr abwaschen mussten, weil offensichtlich kein sauberes mehr da war. Sie nahm dann aber doch unsere Bestellung auf und etwa eine halbe Stunde später stand das Essen auf dem Tisch.

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Es gab dort ganz gutes W-LAN, so haben wir die Zeit genutzt, um die neuesten Nachrichten und Fotos von unseren Kindern und Enkeln anzusehen und selbst welche zu versenden. Außerdem hatten wir von unserem Platz aus einen schönen Blick auf den See.
Auf einem Umweg über Zwenzow und Useriner Mühle sind wir dann zurück zu unserem Quartier gefahren. Kirsten ist noch zum See gegangen, um dort die Abendstimmung "einzufangen".

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Wald, Wasser, Weite, Wind

Mai 302020

Nachdem alle unsere geplanten Reisen in diesem Jahr von den Veranstaltern abgesagt wurden (zur Zeit wollten wir auf dem Darß und an der Ostseeküste herumfahren), organisieren wir unsere Touren eben selbst.
So haben wir unsere Räder aufs Auto geschnallt und sind über Pfingsten nach Klein Quassow gefahren, wo wir zuvor eine Ferienwohnung gemietet hatten. Klein Quassow ist ein Vorort von Wesenberg, am Labussee. Dort angekommen, erfuhren wir, dass es doch kein Frühstück vom Vermieter gibt, weil am gleichen Tag noch eine größere Gruppe angereist ist und für uns alle der Platz in der Gaststätte nicht ausreicht. Und ein Frühstücksbufett ist ja derzeit nicht erlaubt.
Da wir eh eine kleine Runde mit den Rädern drehen wollten, um zu sehen, was sich seit unserem letzten Besuch (vor 3 Jahren) dort verändert hat, haben wir eben einen kleinen Umweg zu einem Supermarkt in Wesenberg gemacht und uns mit Lebensmitteln eingedeckt. Bier hatte ich vorsorglich schon von zu Hause mitgebracht.

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Die Useriner Mühle steht noch - und das seit 1888 in dieser Form. Leider existiert der Biergarten im Innenhof schon seit einigen Jahren nicht mehr. Und wie es aussieht, wird sich daran so schnell nichts ändern.

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Dafür wurde vor ein paar Jahren auf der anderen Straßenseite, am Useriner See die Gaststätte „Seeblick“ neu gebaut, die aber heute (leider) nur noch eine tagsüber geöffnete Imbissgaststätte ist.
Heute, nach unserem Frühstück starteten wir unsere Tour in Richtung Neustrelitz. Das erste Ziel war das Storchennest in Groß Quassow.

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Seit vielen Jahren wohnt dort den Sommer über ein Storchenpaar und zieht seine Jungen groß.
Weiter ging es nach Prälank zu unserem Startpunkt für den Rundkurs um den Zierker See.

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Auf der Neustrelitzer Seite des Sees, am Hafen, wollten wir eigentlich irgendwo einkehren und ein wenig essen, es war uns aber überall viel zu voll. So sind wir wieder zurück nach Useriner Mühle gefahren, wo wir im Garten der Gaststätte „Seeblick“ einen freien Tisch, etwas zu Essen und zu Trinken bekommen haben.
Der Rundkurs um den See ist nur knapp 13 km lang, so dass noch genug Zeit war, um weiter in Richtung Nationalpark bis nach Babke zu fahren. Nach einer kleinen Runde durch den "Staatlich anerkannten Erhohlungsort" (wie fast alle Orte hier) ging es zurück nach Blankenförde- Kakeldütt wo wir in der Räucherkate am Hexenwäldchen zu Abend essen wollten. Und wir hatten Glück, den seit heute ist die Gaststätte wieder geöffnet. Seit unserem letzten Besuch dort, hat allerdings ein neuer Koch die Küche übernommen. Das Essen war o.k., aber nicht so ganz mein Ding.

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Der alte Konsum in Blankenförde beherbergte auch eine Zeit lang eine Gaststätte...

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Nach etwa 50 gefahrenen Kilometern - auf meist sehr gut ausgebauten Radwegen (der im Bild von Groß- nach Klein Quassow gerade nicht), bei schönem Wetter, aber auch kräftigem Wind, sind wir wieder in unserer Pension angekommen.

wieder zu Hause

Dez. 022019

Inzwischen ist es schon eine Weile her, dass wir wieder gut (etwas müde) zu Hause angekommen sind - Zeit für einen Rückblick.
Es war eine sehr schöne und interessante Reise. Wir haben viel gesehen und über die beiden Länder gelernt. Dazu haben unsere einheimischen Guides und ganz besonders unser deutscher Reiseleiter - Joachim, der über ein umfangreiches Wissen über die Länder Südostasiens, deren Geschichte, Politik und Religion verfügt - beigetragen.
Dabei haben wir festgestellt, dass die beiden Nachbarländer recht unterschiedlich sind. Das mag zum Einen daran liegen, dass die Vietnamesen ursprünglich aus China eingewandert sind, wohingegen die Menschen in Kambodscha aus Indien stammen. Die Industrie ist in Vietnam etwas weiter entwickelt. Nach dem Vietnamkrieg ging es unter der kommunistischen Führung anfangs mit der Wirtschaft nicht so richtig voran, inzwischen wird dort der "chinesische Weg" mit einem starken Wirtschaftswachsum praktiziert.
Aber auch Kambodscha hat sich in den letzten Jahren wirtschaftlich weiter entwickelt. Man sieht das ganz besonders in den großen Städten.

Die Menschen in Vietnam erschienen mir etwas offener und freundlicher. Daran hatte aber auch Quang einen Anteil, der einfach auf seine Landsleute zugegangen ist und die mit einbezogen hat, wenn er uns etwas erklärt hat. Oder, wenn er die "Happy Places" organisiert hat - oftmals in den privaten Wohnungen der Leute. Für ihn waren wir seine große Familie.

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Hier erkärt uns Quang das Tunnelsystem der Vietcong in Cu Chi.

Der Verkehr in beiden Ländern ist (für unsere Verhältnisse) gleichermaßen chaotisch. In Vietnam sind vorrangig Mopeds und Fahrrad-Rischkas unterwegs sind, wohingegen man in Kambodscha mehr große SUVs und sehr viele TucTuc sieht.

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Da die Asiaten meist etwas kleiner sind als wir, passen auch mehr davon auf ein Moped. 4 Personen auf einem 50 cm³-Moped sind überhaupt kein Problem. Die meisten fahren mit Helm - jedoch nicht die Kinder, die oftmals auf dem Tank vor dem Fahrer sitzen. Es gibt wohl nicht so kleine Helme.
Und wenn es auf der Straße zu eng wird, fährt man eben auf dem Bürgersteig.
Es ist schon interessant zu sehen, wie viele Mopeds und Motorräder zu größeren Transportmitteln umgebaut wurden und was man alles auf solch einem kleinen Gefährt transportieren kann.

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Das Leben spielt sich hauptsächlich auf den Straßen ab. Hier wird allen möglichen Gewerben nachgegangen, verkauft und gekauft und gegessen (zu Hause zu kochen ist eher unüblich). Und wer sich keinen Stand an der Straße leisten kann, nimmt eben das Fahrrad als mobilen Gemüseladen - oftmals mit angebautem Lautsprecher, über den die Produkte lautstark (und monoton per Endlosschleife) angepriesen werden.

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Wang - unser Guide in Kambodscha war etwas zurückhaltender als Quang, hat sich aber auch sehr gut um uns gekümmert. Alledings habe ich festgestellt, dass er auf keinem unserer Fotos zu sehen ist.
Auffällig ist, dass in Kambodscha die Religion einen viel höheren Stellenwert hat als in Vietnam. Kein Ort ohne Pagode und eine größere Ansammlung von Statuen der diversen Heiligen - vornehmlich Buddah.
Viele Kinder gehen auf die diversen Mönchsschulen. Sie werden dort ziemlich streng erzogen und leben recht asketisch. Es hat aber auch einige Vorteile, besonders für Jungen aus nicht so wohlhabenden Elternhäusern: meist kostenlose Ausbildung, Unterbringung und Verpflegung.
Allerdings wurden wohl die Verhaltensregeln für die Mönchsschüler im letzter Zeit etwas gelockert, denn wir haben viele junge Mönche mit moderner Technik (Handy, Musik, Digitalkamera) auch in Straßen-Restaurants gesehen.
Außerdem müssen die Absolventen nach Verlassen der Schule nicht als Mönch weiter leben. Sie können problemlos ins "Zivilleben" zurückkehren.

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Das Treiben auf den Straße ist ähnlich dem in Vietnam.
Viele steigen beim Einkaufen am Straßenrand nicht einmal vom Moped ab.

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Die Verkäufer sind hier aber etwas eindringlicher. Besonders den Touristen gegenüber.

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Kurz vor Abschluß der Reise haben wir es geschafft, uns zu einem Gruppenfoto vor dem Tempel Banteay Srei zusammen zu finden. Da die Tempel nur mit bedeckten Knien und Schultern betreten werden sollen, haben wir vorher die Fahrradklamotten gegen Zivilkleidung getauscht.

Amok vor der Bootsfahrt

Nov. 152019

Keine Panik, es ist alles friedlich hier und in Ordnung. Amok ist ein kambodschanisches Nationalgericht, welches wir heute bei einer Familie aus Siem Reap, die uns zu einem Kochkurs eingeladen hat, gekocht haben. Bevor wir an die Töpfe durften, wurden wir erstmal eingekleidet.

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Wir hatten die Aufgabe, ein 3-Gänge-Menü herzustellen. Als Vorspeise einen Mangosalat mit Hühnerfleisch bzw. mit Fisch für die Vegetarier. Der Hauptgang war besagtes Amok, ein kambodschanisches Fischcurry mit Kokosmilch und viel Gemüse. Für das Dessert haben wir Bananenpudding mit Kokosmilch gemacht.  Unsere Kokou Suppe mit Fisch wollte ich nicht unterschlagen. Die Zutaten lagen schon bereit und wir konnten an die Schneidbretter, nachdem uns alles erklärt wurde.

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So sah unser Mangosalat aus. Es hat alles sehr gut geschmeckt.

Nach dem Essen konnten wir den Kräutern, die wir eben gegessen haben, beim Wachsen zusehen. Wir haben einen kleinen Bauernhof mit einem großen Kräutergarten besucht.

Danach ging es mit dem Bus (dem gestern der linke Vorderreifen geplatzt war) weiter zum Tonlé Sap. Das ist der See, der dafür verantwortlich ist, dass der gleichnamige Fluss am vergangenen Wochenende seine Fließrichtung geändert hat. Ich hatte darüber geschrieben.

Der Tonlé Sap - See ist der größte See Südostasiens und eines der fischreichsten Binnengewässer der Erde. Wobei seine Größe zwischen der Trocken- und der Regenzeit ganz gewaltig schwankt. Am einem Kanal stiegen wir in eins der Touristenboote, mit dem wir die nächsten beiden Stunden auf dem Wasser unterwegs waren. Das Boot sah zwar nicht besonders vertrauenserweckend aus - der Motor war sehr laut und stark abgasabsondernd - hat uns aber gut wieder zurück gebracht.
Wir schipperten durch die schwimmenden Dörfer, wo sämtliche Häuser auf besonders hohen Pfählen stehen.

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Hier wohnen etwa 4000 Menschen - Fischerfamilien mit Kindern. Es gibt Schulen und öffentliche Gebäude und natürlich auch Pagoden. Der Einzelhandel wird auf dem Wasser abgewickelt. Aufgrund der Überfischung darf in einigen Monaten des Jahres nur für den persönlichen Bedarf gefischt werden.

Es ging weiter durch ausgedehnte Mangrovenwälder, bevor wir ein Stück auf den großen See hinaus fuhren. Stefan hat es sich nicht nehmen lassen, ein paar Runden um unser Boot zu schwimmen, Als Training für seinen nächsten Triathlon.

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Zum letzten gemeinsamen Abendessen sind wir ins "Café Indochina" gegangen und zum Schluss in einer Bar, in der Nähe der Pub Street, die von einem Amerikaner aus Denver betrieben wird, gelandet.

Radtour nach Banteay Srei

Nov. 142019

Auf der Fahrt zum Startpunkt unserer letzten Rad-Etappe ist der Reifen des linken Vorderrades unseres Busses geplatzt. Das gab einen ganz schönen Schlag, der Fahrer hat die Situation aber gut gemeistert und ist ohne größere Probleme zum Stehen gekommen. Dumm nur, dass das Ersatzrad nach der letzten Reifenpanne nicht repariert wurde. So musste er einen der hinteren Zwillingsreifen abbauen und als Vorderrad verwenden, damit er noch nach Hause fahren konnte. Wir sind in einen anderen Bus umgestiegen, der eine gute halbe Stunde später kam. 

Auf unseren Rädern fuhren wir heute wieder durch viele kleine Dörfer, vorbei an Reisfeldern und verschiedenen Pagoden. Unterwegs fehlte mal ein Stück Straße. Die wurde abgetragen und gerade mit Schotter wieder aufgefüllt. Wir mussten uns an den (fahrenden) Baggern vorbei zwängen.
Während einer Pause an einem kleinen See, kamen ein paar Wasserbüffel die Straße entlang getrottet. Die wollten dann aber erst einmal baden gehen.

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Bevor wir zum Mittagessen an einem der überdachten Imbisse durften, stand noch eine Wanderung zum "Fluss der 1000 Lingams" an. Na ja, das war mehr eine Klettertour. Da wurden vor rund 900 Jahren Reliefs und eben die Lingams (manche meinen, das sind Phalli) in die Steine im Fluss gemeißelt, damit das Wasser, wenn es in Angkor ankommt, heilig ist.

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Beim Abstieg gab es einen kleinen Schreckmoment. Plötzlich krachte es und ein Baum stürzte auf uns zu. Zum Glück nicht ganz, denn er wurde von einem anderen Baum aufgehalten.

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Nach dem Essen ging es weiter zum Tempel Banteay Srei. Einige von uns wollten sich noch nicht von ihren Fahrrädern verabschieden und fuhren die knapp 15 km mit dem Rad, die anderen nahmen den Bus, wie es eigentlich geplant war.

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Banteay Srei ist der für mich beeindruckendste Tempel, den wir hier gesehen haben. Die zahllosen Verzierungen und Reliefs sind so detailliert ausgeführt, dass ich mich frage, wie die das hinbekommen haben.

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 Die 5 Schlangen (hier sind nur 3 davon zu sehen) hatten sogar noch ihre Zähne, obwohl sie relativ klein sind.

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Abends sind wir mit TucTucs in die Innenstadt von Siem Reap zum Essen gefahren. Und danach durch die Pub Street geschlendert. Das ist ein Straßenzug, in dem es eigentlich nur Kneipen bzw. Restaurants gibt. Extrem laut, extrem bunt und voller Menschen, von denen etwa die Hälfte uns etwas verkaufen wollte (hauptsächlich Essen, Getränke und TucTuc - Fahrten).

 

Abenteuer Angkor

Nov. 132019

Das erste Abenteuer des Tages war die Fahrt mit den Rädern durch den morgendlichen Verkehr von Siem Reap. Es ist nicht so einfach, bei dem Gewusel auf den Straßen die Truppe halbwegs zusammenzuhalten. Zumal Wang an der Spitze sehr flott unterwegs war. Nachdem wir unsere Eintrittskarten in Empfang genommen hatten - da wurde vorher noch ein lustiges Foto, welches mit einer Webcam aufgenommen wurde, aufgedruckt - fuhren wir durch einen Slum vor der Stadt nach Angkor Wat. Das ist schon eine beeindruckende Tempelanlage. Auf Wikipedia ist alles sehr schön beschrieben, was wir hier gelernt haben: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Angkor_Wat

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Mich haben  vor allem die riesigen Reliefs entlang der Gebäude fasziniert. Sie sind relativ flach, aber sehr detailreich ausgeführt. Die dargestellten Geschichten sind teilweise (für mich) etwas merkwürdig. Jedenfalls haben die Leute damals unheimlichen Aufwand mit den Bauwerken betrieben, nur damit wir uns das 800 Jahre später ansehen können😋. Denn so richtig funktional waren die Gebäude ja eher nicht.

Obwohl wir relativ zeitig losgefahren sind, waren die Chinesen alle schon da, als wir dort ankamen. In den Gängen haben sich die Museumsführer bei der Erklärung der Reliefs in verschiedenen Sprachen gegenseitig übertönt. Da man auch bei der Besteigung des höchsten Turmes anstehen müsste, hat sich die Weiterfahrt nach Angkor Thom um mehr als eine Stunde gegenüber der Planung verschoben. Wir hatten uns nicht für den Aufstieg angestellt, dafür dann im Park die Affen beobachtet. Die hatten sich einiges Zeug zusammengeklaut und ihr Mittagessen, hauptsächlich bestehend aus Bananen und Kokosnüssen, zusammengestellt. Zu trinken gab es natürlich auch.

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Auf der Weiterfahrt nach Angkor Thom hat es mich mal wieder leicht erwischt. Ich fuhr als letzter in der Reihe auf einem schmalen Weg auf der mittlerweile bewaldeten alten Stadtmauer. Einige der Bäume hatten ziemlich tief hängende Äste. Ich hab mich auf einen konzentriert, den kurz davor aber übersehen. Es gab einen ganz schönen Schlag vor die Birne. Da hatte ich den Helm mal nicht umsonst auf. Na ja, der Schädel hat noch eine halbe Stunde lang gebrummt, dann war's vergessen. Der Helm ist ganz geblieben.

Da der Aufstieg zum oberen Teil des Südtores der Stadtmauer etwas steinig war, hat mir die Fotografin ihren Apparat überlassen, damit ich ein Foto von einem der 4 Köpfe darauf machen kann.

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Ich hatte die Kamera gerade eingepackt, da fing es an zu regnen. Ziemlich stark. Wir konnten uns unter ein paar Bäumen unterstellen und wurden nur ein bisschen nass. Fuhren dann bei leichterem Regen aber weiter in die Anlage von Angkor Thom. Da der Regen wieder stärker wurde, haben wir es vorgezogen, erst einmal (unter einer Plane) essen zu  gehen. Nach der Besichtigung der Tempel hier, fuhren wir schnell weiter zum Tempel Ta Prohm, da wir schon gewaltig in Verzug waren. Diese Tempelanlage wurde so belassen, wie sie damals aufgefunden wurde, von großen Bäumen überwuchert.

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Das ist (bis hierher) mein Lieblingstempel. Die Anlage wird um 17:30 Uhr geschlossenen und die Wärter machten uns darauf aufmerksam, dass wir uns beeilen sollten. Es wurde ja auch langsam dunkel. Und wir hatten noch mehr als 10 km Weg vor uns.
Also haben wir uns auf unsere Räder geschwungen und sind zurück nach Siem Reap gefahren. Es wurde ganz schnell ganz dunkel. Und das ohne Licht am Fahrrad (bis auf 2 Stirnlampen). Wir fuhren relativ dicht hintereinander in einer Reihe. Auftretende Hindernisse wurden nach hinten durchgesagt. In der Stadt gab es dann wieder Licht durch die Straßenbeleuchtung und die Häuser, aber auch den abendlichen Verkehrsstress. Es ging alles gut, wir kamen verdeckt, aber vollzählig und heil am Hotel an. Allerdings war Kirsten ziemlich fertig nach dieser Aktion. Der chaotische Verkehr und die unberechenbaren Aktionen der anderen auf der Straße haben ihr Angst gemacht.

Von Kampong Cham nach Siem Reap

Nov. 122019

Noch vor dem Frühstück standen unsere Räder, frisch geputzt, vor dem Hotel zur Abfahrt bereit. Es hatte die ganze Nacht geregnet. Deshalb war zu erwarten, dass die Fahrräder nicht lange so sauber sein werden.
Nachdem wir aus der Stadt heraus waren, ging es durch viele Dörfer entlang der Straße. Wir wurden überall freundlich begrüßt. Die Kinder kamen scharenweise angerannt und waren ganz wild darauf, uns abzuklatschen. Die Menschen auf den Dörfern wohnen anders als die in Vietnam. Fast alle Häuser sind auf Stelzen gebaut. Das dient einerseits dem Schutz vor Hochwasser und unangenehmen Tieren (Schlangen).  Zum Anderen hält sich die Familie dort tagsüber auf. Am Abend werden dann die Tiere, die am Tage frei herum laufen, dort untergebracht. Oder das Auto der Familie.

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Die Handy - Fotos des Tages, sind nicht so ganz gut. Die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch und dadurch war die Optik etwas beschlagen.

Entlang der Straßen versuchen die Leute ihre Jagdbeute, oder auch alles, was man sich vorstellen kann (hauptsächlich etwas zu essen oder zu trinken) zu verkaufen.

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Nachdem wir bisher nur über flaches Land gefahren sind, stand heute die erste Bergetappe an. Zum Mönchsdorf Han Chey. Der erste Teil des Anstieges hatte es in sich. Oben auf dem Berg stehen viele Tempel. Der älteste stammt aus dem 7. Jahrhundert und wird heute noch genutzt.

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Von außen sah man ihm schon an, dass er so alt ist, im Inneren  war er schön geschmückt.

Nach rund 40 km km haben wir die ziemlich verdreckten Fahrräder zum Putzen abgegeben und stiegen wir in den Bus um, mit dem wir nach Siem Reap gebracht wurden. Wir waren übrigens ähnlich gesprenkelt wie die Räder.

Es gab noch einen interessanten Zwischenstop an der einst längsten Steinbogenbrücke der Welt mit mehr als zwanzig schmalen Bögen, die sich über 87 Meter erstreckten - der Spean Kampong Kdai Bridge (die Brücke hat noch viele andere Namen). 

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Sie wurde im 12. Jahrhundert während der Regierungszeit des Königs Jayavarman erbaut. Schön finde ich die (normalerweise) 5 köpfige Schlange NAGA die hier auf so gut wie allen größeren Einfassungen oder Balustraden dargestellt wird.

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Wir trafen dort einige Mönche, die auf dem Weg zu einem Fest in Angkor unterwegs waren und religiöse Riten mit Naga ausgeführt haben. Einer von denen war sehr interessiert und hat uns ausgefragt.

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Die Einfahrt in Siem Reap verlief sehr schleppend. Da wegen des Wasserfestes das Zentrum gesperrt war, mussten wir über Um- und Schleichwege zum Hotel fahren. Hier werden wir bis zur Abreise bleiben. Also kein ständiges Aus- und Einpacken der Koffer mehr. Am Abend waren wir wieder gemeinsam im "Try me", ganz in der Nähe, essen.

Es ist ein schöes Hotel. Wir wohnen in einer Art Bungalow im Garten gegenüber dem Pool. Es gibt hier aber auch ein paar kleine Problemchen. Beim Duschen kam ein Teil des Wassers aus dem Schlauch unterhalb des Duschkopfes heraus. Und nach 2 Minuten Duschen war das Bad überschwemmt, weil die beiden Abflüsse nicht so ganz Wasserdurchlässig sind.

Von Phnom Penh nach Kampong Cham

Nov. 112019

Es ist vielleicht schon aufgefallen, dass ich mit meinen Berichten etwas in Verzug bin. Das liegt hauptsächlich an unserem straffen Terminplan. In der Regel stehen wir um 6:00 Uhr (oder früher) auf und frühestens ab 22 Uhr finde ich etwas Zeit, die Ereignisse des Tages aufzuschreiben. Die Fotolieferantin ist meist so müde, dass sie sofort einschläft, wenn wir in unserem Zimmer sind. Ich bitte um etwas Geduld. Es kommt auch vor, dass einige Beiträge nachdem sie veröffentlicht wurden, noch ergänzt werden. Also, ruhig nochmal nachsehen.

So, jetzt geht es los:
Heute sind wir eine halbe Stunde früher aufgestanden, als ursprünglich geplant. Das lag daran, dass wir gestern den Königspalast nicht besuchen konnten, weil er schon geschlossen war, als wir ankamen. Deshalb sollte der Besuch noch vor den Start der heutigen Tour geschoben werden. Aber als wir dort ankamen, wurde uns gesagt, dass der Palast heute überhaupt nicht öffnet. Ist eben Wasserfest in Kambodscha. Alles umsonst. So musste ich mich im Bus umziehen - mit kurzer Radhose darf man die Heiligtümer nicht betreten - der uns aus der Stadt heraus zu unseren Rädern gebracht hat. Unser kambodschanischer Guide heißt Wang. Wir brauchten uns also nur ganz wenig umgewöhnen. Der ist allerdings wesentlich jünger als Quang.

Vorher haben wir noch einen Abstecher zu einem Insektenmarkt in Skoun gemacht. Neben Obst und Gemüse gab es dort, wie der Name sagt, frittierte Insekten und Kleintiere. Das Foto mit den Skorpionen ist verloren gegangen, aber die kleinen Frösche sehen doch auch ganz gut aus.

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Ich habe darüber nachgedacht, davon zu kosten, hab es aber sein lassen. Es kostet schon einige Überwindung, aber auf den Schüsseln mit dem "Essen" saßen so viele (lebendige) Fliegen,  sodass ich es doch nicht getan habe.

Kurz darauf trafen wir auf unsere Fahrrad - Crew. Diesmal gab es Räder der Marken TREK und GIANT. Meins ist ganz neu.

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Kirsten hatte anfangs nicht so großes Glück mit ihrem Rad. Erst klemmte die Vorderrad-Bremse etwas. Nachdem das behoben wurde knackte das Getriebe (Pedale oder Tretlager) ziemlich doll. Wir ließen darauf hin den Mechaniker damit fahren - er wollte das Problem am Abend lösen. Beim nächsten Stop jedoch tauschte er sein Rad gegen ihres. Von da an war sie nicht mehr zu bremsen. Das war gut eingestellt und passte auch von der Größe zu ihr. Ich hatte zu tun, hinterher zu kommen.

Auf der Etappe, die durch viele kleine Dörfer führte, war festzustellen, dass hier vieles anders ist, als im Nachbarland Vietnam. Die Leute sind dunkelhäutiger und viel religiöser. Etwa 90% der Bevölkerung sind Buddhisten. Der indische Einschlag ist nicht zu verkennen. So  gut wie jedes Dorf hat eine Pagode mit vielen Statuen der verschiedenen Gottheiten.

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Die Mehrzahl der Leute dagegen wohnen in Häusern, bei denen man die Befürchtung haben muss, dass sie beim nächsten Windstoß zusammen fallen. Und Buddha ruht über Allem.

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Das war der erste Tag in diesem Urlaub, an dem es weniger als 30°C warm war. Nur 26°. Und dann fing es noch zu regnen an. Da wir auch auf unbefestigten Wegen fuhren, sahen wir bei der Ankunft im Hotel aus, wie richtige Mountainbiker. Wir hatten ein Zimmer mit einem schönen Ausblick auf den Mekong. Es war nur kein Fotowetter.

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D. Blisse 2020